Zweifach ist die Absicht, welche mich zur Herausgabe dieser Schrift bestimmte; doppelt der Zweck, welcher durch sie erreicht werden soll. Sie soll nämlich von der einen Seite die gespannte, nicht tadelnswerthe Neugierde derjenigen befriedgen, welche die Einfangung so mancher Räuber und Gauner in hiesiger Gegend 1 theils selbst mit ansahen, theils davon hörten, welche die Veranlassung dieser Einfangungen zwar Allgemein kennen, sie aber doch auch gerne in ihren Details kennen und von ihren Folgen unterrichtet seyn möchten; sie soll aber, von der andern Seite, auch zugleich dazu dienen: das Publikum von der Verfahrensweise dieser Räuber zu unterrichten, die noch freien Glieder der Bande kenntlich zu machen, dadurch die Beifangung zu erleichtern und so die öffentliche Sicherheit zu vermehren.

mainbanden

Der Stoff dieser Schrift ist zwar bei weitem nicht so vielseitig und darum auch nicht so interessant, wie jener der aktenmäßigen Geschichte der Räuberbanden an den Ufern des Rheins, dahingegen hatten die Räuber am Main zu Verübung ihrer Vergehen auch keine so geräumige, keine so günstige Periode wie die Räuber am Rhein; und doch übertrifft ihre Bande, sowohl an Menge der entdeckten Mitglieder, als der einbekannten Verbrechen, jene des Schinderhannes2 bei weitem; (ohne die Weiber und Diebshehler in Anschlag zu bringen, welche in dem Verzeichniß der Mitglieder der Mainbande gar nicht aufgenommen wurden) obschon auf die hießige Untersuchung nur 5 Monate, auf jene gegen Schinderhannes3 aber, nur vom Tage seiner Arretirung bis zur Eröffnung der öffentlichen Audienz gerrechnet, 17 Monate verwendet wurden; vielleicht aber kann an Nützlichkeit diese gegenwärtige Schrift jener einigermaßen gleich kommen; und dann ist meine Absicht erreicht. Ohne die aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Rheinufern wären gar manche nun durch sie entdeckte Glieder derselben, welche bisher fortgeraubt hatten, unentdeckt geblieben, und hätten noch manche Banden begründet, noch manchen Jammer gestiftet. Das man einst ein Gleiches von dieser Schrift sagen möge, ist mein eifrigster heisester Wunsch. Nur um seine Erfüllung zu erleichtern, habe ich ihr die praktische Form gegeben, welche man darin finden wird.

Um den angegebenen doppelten Zweck, besonders aber den zuletzt gedachten, früher zu erreichen, erscheint die Schrift schon jetzt, da der zu Einfangung der 1 Gauner günstigere Winter herannaht. Sollten sich in der Folge noch weitere interessante Enteckungen ergeben, so werde ich sie Vielleicht, nebst dem erfolgenden Urtheile, wenn es das Publikum wünscht, in einem Nachtrage liefern.

Heidelberg im Oktober 1811. L. Pfister

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